Im Zeitalter der Globalisierung in Wissenschaft und Wirtschaft müssen sich auch die Hochschulen dem internationalen Wettbewerb und den damit verbundenen höheren Anforderungen stellen. Eingeleitet durch den Bologna-Prozess wurde auch in Deutschland das international weit verbreitete gestufte Studienkonzept der Bachelor- und Masterstudiengänge sowohl an Fachhochschulen als auch an Universitäten eingerichtet.
Die Konferenz der Fachbereichstage (KFBT) ist der Zusammenschluss der deutschen Fachbereichstage. Sie vertritt alle Studienangebote der Fachhochschulen, die in einzelnen Fachgebieten (z.B. Ingenieurwissenschaften, Informatik, Sozialwesen) mehr als die Hälfte aller Hochschulabsolventen hervorbringen.
Aktuell verlassen die ersten Absolventen von Bachelor- und Masterprogrammen, die entsprechend den Vereinbarungen der Bologna-Konferenz konzipiert wurden, die Hochschulen und werden von den Arbeitgebern gut aufgenommen.
Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat 2003 mit ihrem 10-Thesenpapier die Zielsetzungen und Kriterien festgelegt. Darin wird definiert, dass für beide Hochschultypen (Fachhochschulen und Universitäten) die Anforderungen an die Studienprogramme gleich sind und damit auch die Abschlüsse beider Hochschultypen gleichwertig sind.
Die Fachhochschulen haben sich den Herausforderungen des Bologna-Prozesses gestellt und inzwischen wurden an fast allen Hochschulen und in allen Studienrichtungen die Bachelor- und Masterprogramme gestartet. In den Diplomstudiengängen werden nur noch die bereits begonnenen Programme zu Ende geführt.
Damit ist klar: Die Bachelor sind die bewährten Diplomingenieure, Diplominformatiker oder Diplombetriebswirte etc. und die Masterabschlüsse sind den Diplomabschlüssen der Universitäten gleichwertig. Bachelor und Master sind akademische Abschlüsse und keine Berufsbezeichnungen.
Bei der Einführung der neuen Studiengänge wurden aus Sicht der KFBT die folgenden Punkte beachtet:
- Der Bachelor ist ein berufsqualifizierender Abschluss.
- Das Qualitätsniveau des Bachelorabschlusses entspricht dem des FH-Diploms.
- Eine in das Studium integrierte Praxisphase wird an den Fachhochschulen beibehalten.
- Die Praxisorientierung des Studiums wird durch vielfältige Studienangebote und Lehrformen sichergestellt.
- Die Bachelorabschlüsse bereiten auf ein Weiterstudium in Masterprogrammen vor.
- Masterprogramme bereiten auf Führungsaufgaben in Firmen und Behörden vor.
- Masterabschlüsse berechtigen zum Einstieg in den höheren Dienst und berechtigen zur Promotion und die Studienprogramme sind so ausgestaltet, dass sie auch hierzu qualifizieren.
Das Studium befähigt die Absolventinnen und Absolventen zu erfolgreicher Tätigkeit über das gesamte Berufsleben hinweg. Daher werden den Studierenden nicht nur praktisch verwertbare Inhalte sondern auch wissenschaftliche Konzepte und Methoden vermittelt, die über aktuelle Trends hinweg Bestand haben und ein selbstständiges lebenslanges Lernen ermöglichen.
Die gestuften Studiengänge an den deutschen Fachhochschulen verbinden daher einen hohen wissenschaftlichen Anspruch mit einer Anwendungsorientierung, die den Absolventinnen und Absolventen einen schnellen und von Anfang an produktiven Einstieg in den Beruf ermöglichen.
Schlüsselqualifikationen, wie Teamfähigkeit, Konfliktbehandlung und Projektmanagement werden durch die frühe Einbindung der Studierenden in bestehende Kooperationsprojekte insbesondere mit kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) erworben. Durch den Zuwachs der angewandten Forschung an Fachhochschulen in den vergangenen Jahren können mehr und mehr besonders begabte Studierende in ein wissenschaftlich geprägtes Umfeld eingebunden werden. Forschungsbezogene Lehre und anwendungsbezogene Forschung werden so zur Einheit und sichern eine ausreichend breite Vermittlung von wissenschaftlicher Methoden- und Fachkompetenz in den Masterprogrammen. Für die besten Masterabsolventen eröffnet sich so auch die Möglichkeit zur Promotion.
Bachelor an Fachhochschulen
Die Bachelorstudiengänge sind für 6 oder 7 (in Ausnahmefällen 8) Semester Dauer konzipiert. Die 7-semestrigen Programme enthalten in der Regel ein von der Hochschule begleitetes Praxissemester. Das Studium basiert auf wissenschaftlichen Grundlagen, die in den ersten Semestern vermittelt und erarbeitet werden. Ebenso werden Methoden zur Problembeschreibung und -lösung vermittelt. Damit wird eine breite Basis für Vertiefungen in ausgewählten Schwerpunkten gelegt. Dies wird in der Regel durch ein Spektrum an Wahlmöglichkeiten in den höheren Semestern ermöglicht.
Neben der Fachqualifikation werden Fähigkeiten wie Teamwork, Kommunikation, Führungsqualität und Fremdsprachen von den Absolventen erwartet. Um diese Fähigkeiten zu entwickeln und zu fördern, werden in vielen Bereichen Projektarbeiten angeboten, die im Team bewältigt und deren Ergebnisse präsentiert werden müssen.
Die Einführung des European Credit Transfer System (ECTS) bei allen Curricula eröffnet den Studierenden die Möglichkeit, ohne größeren Zeitverlust ein Studiensemester im Ausland zu absolvieren und hier neben den Fremdsprachen auch die kulturellen Unterschiede kennen zu lernen. Hierzu existiert an allen Fachhochschulen eine Vielzahl an Patenschaften und Partnerprogrammen mit ausländischen Hochschulen.
Alle Studienprogramme werden mit einer Bachelorarbeit beendet, in der der/die Studierende eine selbstständige Leistung erbringen muss. Diese Arbeit (Bearbeitungsdauer 5 -10 Wochen) soll die Fähigkeit dokumentieren, die erlernten Methoden und das vorhandene Wissen an einer praxisnahen Aufgabenstellung anzuwenden und die Lösung in schriftlicher und mündlicher Form zu präsentieren.
Die Aufgabenstellungen werden oft in Zusammenarbeit mit der Praxis erarbeitet. Die Bachelorprogramme sind so gestaltet, dass sie die Studierenden möglichst optimal auf eine Weiterqualifizierung in einem Masterstudium vorbereiten.
Master an Fachhochschulen
Masterstudiengänge setzen auf einem erfolgreich abgeschlossenem Bachelorstudiengang auf und führen derzeit in einer Regelstudienzeit von drei bis vier Semestern (in Abhängigkeit der Dauer des vorangegangenen Bachelorstudiengangs) zu einem weiteren berufsqualifizierenden akademischen Abschlussgrad.
Unterschieden werden hierbei konsekutive und nicht-konsekutive Masterstudiengänge. Ein konsekutiver Masterstudiengang baut inhaltlich auf einem zugehörigen Bachelorstudiengang auf und ermöglicht entweder eine tiefer gehende wissenschaftliche Spezialisierung innerhalb der gewählten Studienrichtung oder eine interdisziplinäre Weiterqualifikation, wobei eine Regelstudienzeit von insgesamt 10 Semestern an beiden Hochschultypen (Universitäten und Fachhochschulen) eingehalten werden muss.
Bei nicht-konsekutiven Masterprogrammen besteht für einen Bachelor-Absolventen die Möglichkeit, eine neue Studienrichtung einzuschlagen. Die Gesamtstudiendauer kann hierbei differieren.
Zum Abschluss des Studiums wird eine Masterarbeit angefertigt. Die Bearbeitungszeit ist in der Regel ein komplettes Semester und bietet dem Studierenden die Möglichkeit, das Erlernte an einem Projekt in eigenständiger Arbeit umzusetzen. Diese Arbeiten werden häufig in Zusammenarbeit oder sogar direkt in der Praxis durchgeführt.
Mit fortschreitender Diversifizierung im Hochschulbereich wird jeder Fachbereich bzw. jede Fakultät an Fachhochschulen ein eigenes Profil durch die Art der angebotenen Studiengänge und die Einbindung angewandter Forschung finden müssen, das international oder aus der Region heraus geprägt sein kann. Die Gleichstellung der Masterabschlüsse verschärft die Wettbewerbssituation zwischen den Hochschularten und ist Ansporn, jungen Menschen eine akademische Ausbildung zu bieten und die Voraussetzung zu schaffen, ein Leben lang in einer globalisierten Welt erfolgreich zu sein.
Angewandte Forschung und Entwicklung an Fachhochschulen
In den letzten Jahren haben mehrere Fachbereiche bzw. Fakultäten an Fachhochschulen im Bereich der angewandten Forschung an Profil gewonnen und sind dabei, diese verstärkt auszubauen. Hierfür werden mehr und mehr auch entsprechende institutionelle Voraussetzungen geschaffen, so dass für hervorragende Forscherinnen und Forscher eine geistig-wissenschaftliche und technische Infrastruktur entsteht, die eine Teilnahme an verschiedenen Forschungsförderungsprogrammen des BMBF (u.a. ProfUnd, ING-Nachwuchs, Profil NT), aber auch anderer Projektträger und in Zusammenarbeit mit ausser-universitären Forschungseinrichtungen ermöglicht.
Der Zuwachs an Forschung an Fachhochschulen hat zu einer guten Infrastruktur für anwendungsorientierte Forschung geführt und stellt die Basis für einen weiteren Ausbau der Forschungsaktivitäten, insbesondere jüngerer Professorinnen und Professoren dar.
Eine ausreichende wissenschaftliche Vertretung des jeweiligen Fachgebietes ist so gesichert und fließt in die Masterprogramme ein.
Zusammenfassung
Die Fachhochschulen leisten ihren Beitrag zur Umsetzung des Bolognaprozesses. Die verschiedenen Bachelorabschlüsse entsprechen in ihrem Qualifikationsniveau den ehemaligen Abschlüssen mit dem Diplom (FH). Das Studium wurde gestrafft und den neuen Erfordernissen angepasst.
Die Masterprogramme bieten den Studierenden die Möglichkeit, eine höhere Qualifikation sowohl auf fachlicher als auch auf überfachlicher Ebene zu erreichen. Den Fachhochschulen bieten sie die Möglichkeit, ihre Aktivitäten in Forschung und Entwicklung einzubinden.
Die Fachhochschulen vermitteln eine solide akademische Bildung. Sie werden auch in Zukunft qualifizierte Ingenieure, Informatiker, Betriebwirte, Sozialarbeiter usw. ausbilden.

